Der märchenhafte Aufstieg der Nguyen-Familie

1979 kamen die Nguyens als „Boatpeople“ von Vietnam nach München. Jetzt haben drei der Kinder gemeinsam ein Restaurant aufgemacht.

Familie spielt in jedem Leben eine große Rolle. Die Konstellation Vater-Mutter-Kind(er), wie perfekt oder zerstört sie auch immer sein mag, prägt die ganze Entwicklung eines Menschen, nicht selten bis zum Tod. Selten aber ist das so eindeutig wie im Falle der Nguyens, die aus schwierigsten Anfängen in der Münchner Gastronomie einen nahezu märchenhaften Aufstieg hingelegt haben. Gerade eben haben die drei Geschwister Thi Loan Strasser, Viet Dúc und Tan Loc Nguyen im Neubaugebiet „Schwabinger Tor“ an der Leopoldstraße ihr neues Restaurant Jaadin Grillhouse eröffnet, zusammen mit ihrem Teehaus Chaadin. Beide Schreibweisen stehen für das vietnamesische Wort, das auf Deutsch „Familie“ bedeutet. Auf den gut 500 Quadratmetern – hell und licht vorne im Teehaus unter einem Himmel von Lampions, dunkelorange und modern-stilvoll hinten im Restaurant – finden sich an den Wänden vereinzelt großformatige Fotos der Familie.

Die ganze Geschichte begann eigentlich 1979 in Saigon. Nach dem Vietnamkrieg und nach dem Sieg Nordvietnams flüchteten in den Jahren danach immer mehr Südvietnamesen auf überfüllten Booten aus dem Land. So auch die Nguyens, die in Saigon ein Lokal geführt hatten und keine Zukunft mehr für sich sahen. Mit den beiden kleinen Kindern Tan Loc und Thi Loan flüchteten die Eltern als „Boatpeople“ aufs offene Meer. Vom Rettungsschiff Cap Anamur des bekannten deutschen Aktivisten Rupert Neudeck wurden sie gerettet und landeten schließlich als sogenannte „Kontingentflüchtlinge“ völlig mittellos in Europa. Westdeutschland erklärte sich damals bereit, 30 000 vietnamesische Flüchtlinge aufzunehmen…